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Gin & Genever (439)

Gin ist geschmacklich reizvoll, vielseitig einsetzbar und bringt Freude. Egal, ob man die klare Spirituose mit dem markanten Wacholdergeschmack genießt oder sich intensiver mit dem traditionsreichen Getränk beschäftigt; es überrascht immer wieder, welche unzähligen Geschichten bei einem entspannten Gin-Tonic entstehen.

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Oder vielleicht einen Martini. Oder einen Vesper. Gin ist ein klares, farbenfrohes Kulturgut, das seit Jahrtausenden einen bleibenden Eindruck in der Geschichte hinterlässt. Manchmal erfreulich, manchmal weniger, aber stets bleibt es Gin.

Gin - Das Wunder des Wacholderstrauchs

Gelehrte und Genussfreunde widmen sich gleichermaßen dem Thema Gin. Bereits in der Antike wurde die Verbindung zwischen Alkohol und Wacholderbeere aus medizinischem Blickwinkel untersucht. Diese Mixtur galt als wirksam gegen Sodbrennen, Rheuma, Gicht und Verdauungsprobleme. Die Patienten waren erfreut. Doch schnell stellte sich heraus, dass es sich bei den vermeintlich Kranken oft um Simulanten handelte. Gin wurde zum Genussmittel. Heute wie früher bietet Gin eine schier unendliche Auswahl an Variationen und Zutaten, die jede einzelne Gin-Kreation einer Brennerei zu einem Unikat machen. Drei Herstellungsarten, etwa 12 Gin-Typen und 120 sogenannte Botanicals – rechnen Sie selbst die Möglichkeiten aus oder kosten Sie den reichen Genuss von Gin auf VINELLO.

Der Geschmack von Gin

Der Fokus liegt beim Gin auf der Wacholderbeere, einem Zypressengewächs, die dem Agraralkohol, der überwiegend aus Getreide und seltener aus Melasse gewonnen wird, die charakteristische Note verleiht. Ein Gin muss einen Alkoholgehalt von mindestens 37,5 % Vol. aufweisen, wobei eine ungeschriebene Regel besagt, dass mehr Alkohol zu einem vollmundigeren Gin führt. Darauf folgt eine individuelle Zusammenstellung von rund 120 Zutaten, auch Botanicals genannt. Darunter finden sich exotische pflanzliche Elemente, edle Kräuter und kräftige Gewürze wie Muskat, Enzian, Schwertlilie, Ingwer, Rose sowie Zitronen- und Orangenschalen und vieles mehr. Je nach Destillationsverfahren übernimmt der Alkohol die Aromen und Wirkstoffe der Zutaten und verwandelt sich in Gin. Doch Gin ist nicht gleich Gin. Eine Sorteneinteilung regelt, welche Bezeichnung die Mixtur auf dem Etikett tragen darf. Darunter finden sich:

  • Dry Gin
  • London Dry Gin
  • Sloe Gin
  • Plymouth Gin 
  • Original Genever
  • Distilled Gin
  • Gin de Mahón
  • New Western Dry Gin
  • Vilnius Gin
  • Old Tom Gin
  • Reserve Gin

Den englischen Einfluss hat sich Gin über die Jahrhunderte angeeignet, doch seine Geschichte beginnt an einem anderen Ort.

Die große Geschichte des Gins

Alchemisten, Hexen und Mönche experimentierten seit der Antike mit Alkohol und Wacholder aufgrund deren medizinischer Eigenschaften. Wirklich lebhaft wurde es jedoch im 17. Jahrhundert, als ein Wacholderschnaps namens Genever in den Niederlanden die Kranken erfreute. Die Medizin wurde so populär, dass sie fortan als Genussmittel in den Läden erhältlich war. Offenbar zum Nationalgetränk geworden, hatten die niederländischen Soldaten stets eine Flasche dabei, wenn sie in den Krieg zogen. Die verbündeten englischen Rotröcke schätzten den schmackhaften Genever, als sie gemeinsam gegen die Spanier kämpften. Mit ein paar Flaschen im Gepäck kehrten die Engländer in die Heimat zurück und machten den Genever, von den Engländern umgangssprachlich als “Juniperus” oder einfach Gin bezeichnet, bekannt.

Gin wurde auf den Britischen Inseln zum Geheimtipp. Dann bestieg Wilhelm III von Oranien-Nassau den englischen Thron. Er wusste immer, wie er seine Untertanen gewinnen konnte. Kurz gesagt: Er brachte Gin aus den Niederlanden mit, machte ihn steuerfrei und belegte französische Produkte mit hohen Steuern. Jeder durfte eine eigene Destillerie in seinem Haus eröffnen und nach 10 Tagen offiziell Gin verkaufen. So begann der Gin-Craze, der auch die Gin-Krise zur Folge hatte, welche verheerende Auswirkungen auf die ärmere Bevölkerung hatte.

Gin war günstig und unterlag keinen Qualitätsstandards. Was im Gin enthalten war, spielte kaum eine Rolle. Hauptsache, er war stark. Die Kriminalität nahm zu, ebenso die Kindersterblichkeit. Alle waren berauscht, während der Rest vernachlässigt wurde. Die allgemeine Sterblichkeitsrate überstieg sogar die Geburtenrate, wobei die Neugeborenen gleich mit einer Gin-Sucht zur Welt kamen. Der düstere Name Mother’s Ruin wurde populär. Es waren dunkle Zeiten, was auch die Regierung erkannte. Der Gin Act von 1751 stellte dem Gelage ein Ende. Die Lizenzen zum Brennen von Gin wurden sehr teuer, und die Qualitätsstandards sowie die Preise stiegen erheblich. Gin wurde zum Getränk der oberen Schicht.

Durch die weltweite Ausbreitung des britischen Imperiums verbreitete sich Gin ebenso. Die Rotröcke in Indien kämpften vor allem gegen Mücken und Malaria. Um sich zu schützen, mussten sie Chinin, das im Tonic Water enthalten ist, zu sich nehmen. Um den sehr bitteren Geschmack erträglicher zu machen, mischten die Soldaten das Tonic Water mit Gin - mit durchschlagendem Erfolg, der bis heute anhält. Weniger wegen Malaria, aber wer kann das schon genau sagen.

Während der Prohibition entstand in den Vereinigten Staaten der Begriff Bathtub-Gin, der bis heute für minderwertigen Gin steht. Diese Spirituose ist relativ einfach herzustellen, und das einzige große brauchbare Gefäß war meist die Badewanne. Auf Qualität wurde weniger Wert gelegt, dafür jedoch auf Alkohol. Am besten bestellt man keinen Bathtub-Gin - besser ein Mother’s Ruin.

Gin-Variationen

Die Kategorisierung der verschiedenen Gin-Varianten bezieht sich auf Herkunft, Herstellung und Zutatenliste. Jede Destillerie hat sich einem oder mehreren Stilen verschrieben. Eine kleine Übersicht der beliebtesten Varianten hilft dabei, sich in der Vielfalt zurechtzufinden.

Genever

Der Original-Gin niederländischer Herkunft. Auch unter dem Namen Jenever bekannt, abgeleitet vom niederländischen jeneverbes für Wacholder, gilt er allgemein als Vorläufer des Gins. Der Alkohol wird aus Gerste oder Roggen gewonnen und mit den Botanicals Kümmel, Röstaromen und Koriander veredelt. Ein sanfter Vertreter dieser Art ist der Old Style Genever von De Borgen, der mit intensiven Noten von Getreide und Wacholder den Gaumen erfreut.

London Dry Gin

Hierbei handelt es sich nicht zwangsläufig um Gin aus London, sondern vielmehr um einen Stil. Dem trockenen Gin werden keine künstlichen Aromen hinzugefügt, und der Zuckergehalt ist auf 0,1 g pro Liter limitiert. Bekannte Vertreter dieser Sorte sind der Bombay Sapphire, Tanqueray Dry Gin aus der Destillerie C. Tanqueray & Co und der Elephant London Dry Gin.

Dry Gin

Diese Sorte zeichnet sich durch ein markantes Wacholderaroma aus und darf im Gegensatz zum London Dry Gin nicht mit pflanzlichen Stoffen angereichert werden. Es ist jedoch möglich, dem Gin durch Farbstoffe eine einzigartige Farbe zu verleihen. Ideal für Cocktails oder die eigene Hausbar. Beispiele für Dry Gin sind der Gin Mare und der Friedrichs Dry Gin.

Sloe Gin

Sloe Gin hebt sich etwas ab. Er ist kein klassischer Gin, vielmehr ein Likör mit weniger Alkohol, wird jedoch dennoch als Gin gezählt. Die dunkelrote Färbung stammt von der Schlehe. Er präsentiert sich deutlich süßer und fruchtiger als Dry Gin. Elephant Sloe Gin ist eine hervorragende Empfehlung für diese Sorte.

Plymouth, Vilnius und Gin de Mahón

Diese Gins sind durch ihre geographische Lage definiert und dürfen lediglich an diesen Orten hergestellt werden. Sie haben meist einzigartige Kombinationen von Botanicals. Plymouth Gin aus der Black Friars Distillery wird beispielsweise nur in der englischen Hafenstadt produziert und zeichnet sich durch ein dezenteres Wacholderaroma aus.

Interessantes über Gin

Was ist Gin?

Gin ist eine klare Spirituose, die hauptsächlich durch Wacholder und Koriander geprägt ist. Ursprünglich aus den Niederlanden stammend, hat sich Gin zu einem typischen englischen Getränk entwickelt. Oft wird Gin für die Zubereitung von Cocktails und Longdrinks verwendet.

Wie wird Gin hergestellt?

Es gibt drei gängige Methoden zur Herstellung von Gin.

Mazeration: Die Botanicals werden dem Alkohol hinzugefügt, bis der Geschmack freigesetzt ist. Anschließend wird die Mixtur gefiltert und verdünnt.

Digestion: Bei diesem Heißauszug werden die zerkleinerten Botanicals dem Alkohol zugeführt. Die Mischung wird bei etwa 70°C gekocht, sodass die Aromenvielfalt vollständig zur Entfaltung kommt.

Perkolation: Dies ist die wohl edelste und aufwendigste Methode der Herstellung. Der Alkohol wird in einen gasförmigen Zustand versetzt und durch mehrere Siebe, die mit den gewünschten Zutaten gefüllt sind, in den nächsten Kessel geleitet. Schließlich wird das Gas wieder verflüssigt und der Gin ist fertig.

Was passt zu Gin?

Gin ist Hauptbestandteil vieler Cocktails. Der bekannteste ist wohl der Gin Tonic. Die Möglichkeiten, Gin in Mischgetränken zu verwenden, sind nahezu unbegrenzt. Einfach ausprobieren und genießen.

Wie lagert man Gin?

Gin sollte kühl, dunkel und aufrecht gelagert werden. Ein Keller ist ideal für eine geschützte und stabile Lagerung. Selbst offene Flaschen halten sich, sofern sie verschlossen sind, mehrere Monate oder sogar Jahre, je nachdem, wie viel Gin sich noch in der Flasche befindet. Denn je mehr Sauerstoff vorhanden ist, desto schneller oxidiert der Gin.

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